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minimierter coolnessfaktor mit retrocharme

(Text: Øle, Fotos: Nicole Dierolf) Das Musik ein Jungs-Ding ist, bestreitet niemand ernsthaft – auch nicht die kurzfristig protestierenden Damen der Schöpfung. Schon mal ein Beziehungs-Eröffnungs-Tape von einer Frau bekommen? Eben. Unbestritten ist auch, dass die eigentliche Kunst aller Musicmaniacs darin besteht, den richtigen Plattenladen zu konsultieren auf der Suche nach den runden, schwarzen Schätzchen. Momentan heißester Anwärter, die Nachfolge der dahingeschiedenen Plattenfachläden “Groove Attack” und “Heavysoul” anzutreten, ist “beatz und kekse”. Ein neu eröffnetes Kleinod auf der Luisenstraße mit großem Gemütlichkeitsfaktor und angeschlossener Gastronomie. Während der tiefsten Rezession haben Nina und Staus ihren Job bei “Groove Attack” in Köln gekündigt – aus Liebe zur Musik, wie sie selbst sagen.









Beim Betreten von “beatz und kekse” frage ich mich, warum Musik eigentlich ein Jungs-Ding ist. DJs, Clubbetreiber, Musiker – fast alles Männer. Drinnen flashen mich Orange Wände, Panton-Tische mit Tulpen-Stühlen in Nanosekunden zurück in die 70er Jahre. Zurück im Uterus. Es ist weich und warm. Alles in Ordnung. Während ich noch die Einrichtung scanne, klopfen mir Captain Kirk und Barbarella freundlich auf die Schulter. ’Einen Platten-Laden zu eröffnen, pünktlich zum neuen Pleiterekord von Selbstständigen – seid ihr wahnsinnig’, gebe ich meiner Verwunderung Ausdruck. ’Als Heavysoul zugemacht hat, hat mich Nina gefragt, ob wir nicht einen Plattenladen aufmachen sollen. Zuerst hab’ ich so wie Du reagiert. Zwei Stunden später war es dann beschlossene Sache’, erzählt Staus mit einem Gesichtsausdruck, der nicht an Offenbarungseid denken lässt. Old School, denke ich, im beim Kampf um die richtige Sitzposition auf der riesigen Couch. Sollte ich mich tatsächlich mit Lebewesen aus der vom Aussterben bedrohten Spezies ’Musikliebhaber’ in einem Raum befinden? Meine erste Diagnose bestätigt sich nach einem entschlossenen Griff in die Keks-Schale. ’Wir fanden den Gedanken einfach charmant, in entspannter Atmosphäre Platten hören zu können, und abzuhängen. Einen Treffpunkt für Leute zu schaffen, die sich wirklich für Musik interessieren.’ Wunderbar. Vielleicht sind die beiden genau die richtigen, um mir die Frage zu beantworten, die sich in meinen Hirnwindungen festgesetzt hat. ’Warum ist das so, dass sich vor allem Jungs für Musik interessieren?’ Staus fackelt nicht lange: ’Es waren doch immer Jungs, die auf der Bühne standen, während die Mädels von unten ihre Höschen geschmissen haben.’ Einverstanden. Aber das erklärt nicht wirklich, warum das so ist. Ich setze auf die weibliche Neigung zur Gesamtbetrachtung. ’Vielleicht eine gesellschaftliche Sache’, schiebt Nina hinterher.




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Na bitte. ’Ich selbst hatte immer eine riesige Hemmschwelle einen Plattenladen zu betreten. Da waren nur Jungs drin. Alle supercool. Ich bin dann lange nur in die Läden rein gegangen, wenn mein großer Bruder dabei war. Diese Vinyl-Spezialisten-Nummer ist echt abschreckend für Mädels.’ Langsam wurde es interessant. ’Der erste Schritt ist doch, in den Plattenladen zu gehen um Scheiben durch zuhören. So geht’s los. Wenn man diese Hemmschwelle nicht durchbricht, kann man ja gar nicht anfangen sich eine Plattensammlung zuzulegen.’ Die einzige Frau die ich kenne, die einen Plattenladen leitet, erhärtet ihre These. Und weiter: ’Trotzdem gibt es immer mehr Frauen, die inzwischen auch auflegen. Grade in den größeren Städten. Das entwickelt sich in eine gute Richtung.’



Während Nina und Staus einige Gäste mit Latte Machiato versorgen, studiere ich die umfangreiche Kekskarte. Mein Keks-Dilemma trägt die Namen Havregryn Käxen und Tenerezze Café. Ich muss mich entscheiden zwischen dem Haferflockentaler aus Schweden – und der italienischen Backware. Ausgewiesen als Keks mit Kaffeecreme. Halbtrocken, schwer, weich und herb. Dass die Verbindung von Plattenladen und Cafe in der Wuppertaler Peripherie manchmal noch geübt werden muss, erzählen Staus und Nina mir dann etwas später. ’Freundlich bestellen viele Gäste eine Portion Kekse mit sieben oder zwölf Stücken. Anfangs waren wir etwas verdutzt, bis uns dann klar war, dass sie einen 7“-Becher meinten, oder eine 12“ Portion.’ Dass die Keksrationen in Inch gemessen werden, in der Maßeinheit die auch für Platten gilt, muss sich wohl erst noch ’rumsprechen. Schon bei einem flüchtigen biographischen Blick auf Staus und Nina wird noch deutlicher, dass “beatz und kekse” kein normaler Laden ist, wo vor allem der Umsatz zählt, sondern eine Herzensangelegenheit. Beide haben ihre bisherige musikalische und finanzielle Homebase ”Groove Attack“ in Köln verlassen – für “beatz und kekse”. Staus hat seinen Job bei der renommierten Kölner Plattenfirma als Logistik-Manager geschmissen, Nina in der Öffentlichkeits-Abteilung gekündigt. Und ganz nebenbei ist Nina eine der wenigen DJanes aus dem Tal, die sich im Männerberuf Diplom-Plattendreher behaupten kann. Erfolgreich. Seit drei Jahren legt sie jeden Donnerstag ’Schön durch die Nacht auf’. Was lernen wir aus all dem? Dass Musik ein Jungs- Ding ist. Und Ausnahmen eben die Regel bestätigen? Oder vielleicht: ’Dass es einfach um Musik geht’, wie Staus abschließend bemerkt. Einverstanden.

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